Häufig gestellte Fragen

Was spricht gegen eine komplette Umstellung auf Bio-Methoden? Auf den Philippinen und vor allem auf dem Land kann sich kaum jemand die höheren Preise für Bio-Produkte leisten. Es lohnt sich einfach nicht.

Bio hört sich gut an, aber der Teufel steckt im Detail. Das Hauptproblem sind die geringeren Erntemengen. Hohe Erträge lassen sich u.a. nur durch Hybrid-Saatgut erzielen. Diese Sorten benötigen ein ausgeklügeltes Dünger-Management. Das Problem mit biologischen Düngemitteln liegt darin, dass Zeitpunkt und Menge der pflanzenverfügbaren Nährstoffe nicht genau genug zu dosieren sind. Deshalb führt eine 100% organische Düngung oftmals zu drastischen Ernterückgängen bei Hybridpflanzen, das kann bis zu 90% gehen und den sofortigen Ruin des Farmers bedeuten.

Unsere Methode besteht darin, Kunstdünger mit organischen Dünger zu kombinieren. Das verstärkt die Düngeleistung enorm und hat vor allem eine Langzeitwirkung. Bei den Folgepflanzen wird nämlich deutlich weniger Kunstdünger benötigt weil den Pflanzen noch große Mengen Bodennährstoffe aus der vorherigen Pflanzung zur Verfügung stehen.

Wie verhält es sich mit den bei der Pyrolyse freigesetzten schädlichen Gasen? Derzeit reichen die Mengen unvollständig verbrannter Reishülsen der örtlichen Bäckereien und Trockenanlagen locker für den Bedarf aus. Erst wenn der Einsatz von organischen Dünger stark ansteigt muß die Holzkohle extra per Pyrolyse hergestellt werden. Es gibt inzwischen low-tech Meiler bei denen ein Großteil der Abgase nachverbrannt und damit unschädlich gemacht werden. Bis dahin werden die überschüssigen Reishülsen von den Reismühlen einfach auf Halde geschüttet und abgefackelt. Dabei entstehen auch schädliche Gase. Im Erfolgsfall werden durch unser Projekt also deutlich weniger giftige Gase emittiert.
Was passiert wenn ein Farmer den Kredit nicht zurückzahlen kann? Wir haben in unserem Konzept mehrere "Sicherungen" eingebaut. Zunächst einmal erhält der Farmer den größten Teil der Hilfe in Sachleistungen wie Saatgut und Dünger und das auch nur zu dem Zeitpunkt wenn er es braucht. Dann wird der ordnungsgemäße Einsatz durch die Agrarbeamten überprüft. Die Ernte muß an uns verkauft werden und wir zahlen den Differenzbetrag bar aus.

Bei einer unverschuldeten Mißernte oder persönlichen Notlage werden wir ganz oder teilweise auf die Rückzahlung verzichten. Wenn der Farmer ohne Not die Ernte anderweitig verkauft und die Hilfe nicht zurückzahlt wird er das seinen Nachbarn erklären müssen die auf der Warteliste stehen und wegen ihm länger auf unsere Hilfe warten müssen.

Wir gehen bezirksweise vor. Erst wenn alle Kleinbauern unsere Hilfe bekommen haben wechseln wir in den nächsten Bezirk. Das wird eine Art Konkurrenzkampf verursachen denn wir werden die Bezirke zuerst bedienen, deren Bürgermeister (Barangay Captains) bislang nicht durch korruptes Verhalten aufgefallen sind. Diese Vorgehensweise wird in der gesamten Gemeinde allen Farmern kommuniziert.

Wie wird die Neiddebatte verhindert wenn nicht für alle Kleinbauern in dem ausgewählten Bezirk Finanzhilfe verfügbar ist? Vor der ersten Pflanzung werden die begünstigten Farmer per Los ausgewählt. Wer den Kürzeren gezogen hat kommt auf eine durchnummerierte Warteliste für die nächste Pflanzsaison.
Besteht nicht die große Gefahr, dass die zuerst begünstigten Farmer mit ihren höherem Einkommen den anderen Farmern das Land wegkaufen? Das dürfte nur in Ausnahmefällen passieren. Die begünstigten Farmer haben ja einen erheblichen Nachholbedarf. Bevor an Landkauf gedacht werden kann werden erst einmal alte Schulden getilgt, das Haus taifunfest gemacht sowie Kühlschrank und Fernseher angeschafft und die Kinder auf eine bessere Schule geschickt.

Durch die Landreform ist auf den Philippinen der Besitz landwirtschaftlicher Flächen auf 5 Hektar pro Person begrenzt. Hinzu kommt dass viele Landbesitzer ihre Flächen nicht selber bewirtschaften können oder wollen. Diese Felder werden in der Regel an landlose Kleinbauern verpachtet, also genau unsere Zielgruppe. Wir gehen davon aus dass viele der begünstigten Pächter nach einigen guten Ernten in der Lage sein werden, das Land den Besitzern abzukaufen. So ähnlich ist ja auch in Mitteleuropa im 19. Jhdt. der Übergang von Großbesitz in kleinbäuerliche Hand erfolgt.

Hat das Projekt neben den Spenden und den Rückzahlungen der Bauern noch andere Einnahmequellen? Ja. Z.B. Mengenrabatte beim Großeinkauf von Dünger und Saatgut.Wenn wir die Ernten der einzelnen Farmer aufkaufen und sammeln zahlen die Großabnehmer wie Futtermittelfabriken höhere Preise für größere Lieferungen und wir können Niedrigpreisphasen durch Lagerung überbrücken. Vermutlich wird es noch weitere Einnahmemöglichkeiten geben, das können wir beim derzeitigen Stand der Dinge aber noch nicht verläßlich vorhersagen.

Es ist unser Ziel, durch diese Nebeneinkünfte die Verwaltungskosten, Zahlungsausfälle usw. komplett zu finanzieren. Dann kann jede Spende zu 100% in die Ausweitung des Projektes investiert werden. 

Welche Rechtsform und Besitzverhältnisse wird das Projekt auf den Philippinen haben? Diese Frage wird erst aktuell wenn das Projekt größere Formen annimmt. Bis dahin können wir es mit dem Segen der örtlichen Regierung und Finanzamt informell und privat laufen lassen. Das spart uns zunächst eine Menge Geld für Registrierungen usw.

Wenn es soweit ist kommen verschiedene Rechtsformen in Frage. Möglicherweise wird es auf eine social corporation hinauslaufen. Diese GmbH hat dann eine Satzung in der steht dass etwaige Überschüsse stets in das Projekt reinvestiert werden müssen und überzogene Verwaltungskosten, Gehälter usw. ausgeschlossen sind. Wichtig ist vor allem dass die Verwaltungskosten und Steuern niedrig gehalten werden und kein Politiker direkten Einfluß nehmen kann. Denkbar wären daher auch eine Kooperative oder Stiftung.

Wie geht es mit dem Projekt weiter wenn alle Mais-Kleinbauern in Tigaon Hilfe bekommen haben und finanziell auf eigenen Beinen stehen? Das ist noch nicht entschieden. Wahrscheinlich werden wir aber das Konzept dann bei Reis- Obst- und Gemüsebauern in Tigaon fortsetzen. Es geht ja nicht nur darum, eine möglichst große Anzahl einzelner Kleinbauern aus der elementaren Not zu befreien. Wenn das Projekt im großen Stil ein Erfolg wird hat das positive Auswirkungen auf die gesamte wirtschaftliche Situation in Tigaon. Dann hat auch die Regierung höhere Steuereinnahmen und damit mehr Geld für Infrastrukturmaßnahmen usw. zur Verfügung.

Wenn dauerhaft deutlich höhere Ernten eingefahren werden und die Massenkaufkraft signifikant steigt wird es auch im Zuliefer- Handels- und Weiterverarbeitungsbereich enorme Potenziale für kleine und mittlere Betriebe geben, die lokale Wertschöpfung wird dramatisch erhöht. Diese Entwicklung wird sicherlich nicht völlig problemlos verlaufen. Auf jeden Fall werden die positiven Auswirkungen deutlich überwiegen.

Wird es zu einem Preisverfall kommen wenn die Erntemengen stark ansteigen? Beim Mais ist das sehr unwahrscheinlich. Es gibt einen Weltmarktpreis und die Philippinen importieren große Mengen Mais. Da vor allem in den Industrieländern immer mehr Mais für Biogas, Biosprit usw. verwendet wird, die Weltbevölkerung wächst und in den Schwellenländern der Fleischkonsum stark steigt (= hoher Futtermittelbedarf) wird es auch auf lange Sicht eher zu steigenden Weltmarktpreisen kommen. Auch ist völlig ungewiss wie sich die jahrzehntelangen Monokulturen mit genmanipuliertem Mais in den USA, Kanada usw. auf die Bodenfruchtbarkeit und Schädlingsresistenzen auswirkt. Hier drohen potenziell Ertragsrückgänge im großen Umfang.

Durch den Einsatz moderner Anbaumethoden usw. wird nicht nur die eigentliche Körnermais-Produktion erhöht. Es wird auch weniger Nachernteverluste geben und die bislang ungenutzten Nebenprodukte werden verstärkt als Tierfutter, Brennmaterial usw. ökonomisch und ökologisch sinnvoll verwendet.

Wird durch mehr und billigere Nahrungsmittel die Geburtenrate erhöht? Genau das Gegenteil wird der Fall sein. In allen Entwicklungsländern hat eine Zunahme der Massenkaufkraft immer auch das Bevölkerungswachstum verlangsamt. Der Grund dafür ist ganz einfach: Die Leute haben eine gewisse finanzielle Sicherheit und sind nicht mehr in dem Maße wie früher auf die Altersversorgung durch möglichst viele Kinder angewiesen. Hinzu kommt dass viele Frauen mit höherem Einkommen sich auch Verhütungsmittel leisten können.
Gibt es in Tigaon genügend Arbeitskräfte um eine drastische Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion zu bewerkstelligen? Bei dauerhaft höherem Einkommen haben die Farmer genügend Kapital um die Produktion zu rationalisieren. Z.B. können benachbarte Farmer dann zeitgleich pflanzen und damit den Einsatz von Traktoren usw. zu einer lohnenden Sache machen. Auch wird es bei den Arbeitern zu Spezialisierungen und auch den Einsatz von Wanderarbeitern kommen. Dies ist bereits in Tigaon auf den großen Zuckerrohr-Farmen der Fall.

Ein höherer Arbeitskräftebedarf führt zwangsläufig auch zu höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen. Es ist die einzige Möglichkeit um die Landflucht zu reduzieren und evtl. Bewohner der Großstadtslums zu einer Rückkehr in die Provinz zu bewegen.

Leistet das Projekt  einen Beitrag zum Schutz der Urwälder? Die Landgemeinde Tigaon liegt am Fuße des ca. 2.000 hohen Mt. Isarog, einem mit Urwald bewachsenen, erloschenen Vulkan. Bislang befinden sich die meisten Maisfelder der Kleinbauern in höheren Lagen, also an der Grenze zum Dschungel und weiten sich immer mehr nach oben aus.  Das ist nicht nur aus Naturschutzgründen offiziell verboten, sondern der Mais führt auch zu schweren Schäden bei den dortigen Abaca (Manilahanf) Plantagen.

Unser Projekt fördert desahalb ausschließlich Farmer im Flachland. Damit erhoffen wir uns, dass viele der extrem armen Bergfarmer ihre nur schwer erreichbaren Grundstücke (und deshalb von den Behörden kaum kontrollierbar) aufgeben und tiefer gelegenes Brachland bewirtschaften.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die geplante Herstellung von Holzkohlebriketts aus leeren Maiskolben und anderen Farmabfällen. Die dadurch entstehenden Arbeitsplätze sollen bevorzugt an die illegalen, aber dennoch bettelarmen Köhler vom Urwald vergeben werden.

Gibt es für die Herstellung von Holzkohlebriketts und holzkohlehaltigen Terra Preta Dünger Gelder aus dem Emissionshandel? Beim Dünger sind diese Subventionen im Kyoto-Protokoll ausdrücklich verboten, obwohl es die bislang einzige erprobte und sichere Methode zur langfristigen CO2-Speicherung darstellt. Die Sache mit den Briketts ist hingegen prinzipiell förderungsfähig. Allerdings liegen die Kosten für eine CDM - Zertifizierung im Bereich von über 100.000 EURO und es ist ein unglaublicher bürokratischer Aufwand erforderlich.

Deshalb gehen wir bei allen Kalkulationen davon aus, dass sich die Projekte auch langfristig ohne irgendwelche Subventionen rechnen müssen.