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NGO-Projekte, so geht`s

Es ist eine traurige Tatsache dass ein Großteil der Entwicklungshilfeprojekte kläglich scheitern. Das ist nicht nur schlecht für die Begünstigten und die NGO sowie deren Spender, sondern es werden mit jedem Fehlprojekt Gelder und Ressourcen verschwendet, die anderenorts fehlen.

In den meisten Fällen liegt das Problem bereits in der Projekt-Konzeption: Man möchte möglichst vielen extrem armen Menschen helfen und es allen Recht machen. Es wird z.B. eine Einkommenssteigerung für alle Dorfbewohner von 1 auf 2 Dollar pro Tag angestrebt. Gleichzeitig sollen die Begünstigten Gemeinsinn (im westlichen Sinne) entwickeln, es werden also Kooperativen u.ä. mit riesigem Verwaltungsaufwand gegründet. Hinzu kommt dass häufig der Kapital- und Zeitaufwand völlig unterschätzt wird und es kein tragfähiges Konzept für Vermarktung, Infrastruktur usw. gibt.

Da es nicht wirklich weiterhilft Mißstände zu beklagen möchte ich einige Gedanken zu Papier bringen, die auf meiner langjährigen Erfahrung auf den Philippinen und dem Kontakt zu ähnlichen Projekten in anderen Ländern beruhen:

1. Das Projektziel muß darin bestehen, aus hart arbeitenden armen Leuten hart arbeitende reiche Menschen zu machen, die nach Abschluß der Aufbauphase über eine derart hohe Kaufkraft und technischem Wissen verfügen, dass sie ohne Hilfe von außen dauerhaft das Konzept fortführen können.

2. In jeder Dorfgemeinschaft gibt es fleißige, aber auch faule Leute. Da gegen Faulheit und Dummheit keine Pillen wirken muß man sich auf die Fleißigen konzentrieren. Die dabei entstehende Neidsituation muß man hinnehmen, denn egal was man macht, es gibt immer Leute die sich übergangen fühlen. Wicht ist allerdings, dass es durch das Projekt niemanden gibt der hinterher schlechter lebt als vorher. D.h. bei manchen verbessert sich die Situation drastisch, bei anderen bleibt es wie es vorher war.

3.  Man muß einen Ort aussuchen, wo die Begünstigten, die örtlichen Politiker, Geschäftsleute etc. das Projekt auch wirklich wollen und brauchen. Die Menschen müssen das Gefühl haben, dass es ihr eigenes Projekt ist. Deshalb sollte die NGO jede Entscheidung im Vorfeld mit den Leuten vor Ort absprechen.

4. Schulungen, lokales Projektmanagement usw. sollten ausschließlich von einheimischen Fachleuten durchgeführt werden. Die ausländischen Experten der NGO sollten sich darauf beschränken, die örtlichen Führungskräfte zu beraten und interne Kontrollen durchzuführen.

5. Den Projektleitern vor Ort muß die Möglichkeit gegeben werden, Entscheidungen schnell und unbürokratisch zu treffen, wenn die Lage es erfordert. Wenn z.B. die ursprüngliche Planung darin bestand, kleinen Reisbauern zu helfen und sich dann plötzlich herausstellt das mit der Förderung von Mais- oder Gemüsefarmern viel bessere Ergebnisse zu erwarten sind, muß man flexibel darauf reagieren können.

6. Während der Planungsphase sollte man im Land nach bestehenden, erfolgreichen Projekten Ausschau halten und diese genau analysieren. Das hilft, teure Anfangsfehler zu vermeiden.

7. Eine der größten Schwierigkeiten für westliche Projektplaner besteht darin, sich in die Denkweise der Begünstigten hineinzuversetzen. Wer seit Generationen in elementarer Armut lebt, keine Ersparnisse hat und über keine ausreichende Bildung verfügt, setzt in seinem Leben andere Prioritäten. Nämlich den heutigen Tag zu überleben. Deshalb kann man von diesen Menschen nicht erwarten, dass sie den Sinn langfristiger Projekte auf Anhieb verstehen.

8. Es kommt also entscheidend darauf an, dass die Leute vom ersten Tag an direkt vom Projekt profitieren. z.B. könnte die NGO der örtlichen Dorfschule Unterrichtsmaterial spendieren und den lokalen Mitarbeitern bei den Vorbereitungsarbeiten höhere Löhne zahlen. Nur so läßt sich ein positives Umfeld aufbauen.

9. Die Begünstigten werden nur dann mit Begeisterung mitmachen, wenn sie wissen dass sie vom ersten Tag an mehr verdienen als vorher und dass sie künftige Mehreinnahmen für sich behalten können. Von bettelarmen Leuten kann man keine finanzielle Solidarität im westlichen Sinne erwarten. Ich möchte das an einem Beispiel erläutern: Der Kleinbauer hat vorher vieleicht 500 Dollar im Jahr verdient. Nun bekommt er durch das Projekt Saatgut, Dünger, Schulungen usw. im Wert von 2.000 Dollar und erzielt damit einen Erlös von 5.000 Dollar. Er wird ohne zu murren nach der Ernte die 2.000 Dollar zurückzahlen, aber wenn er zusätzlich von seinem Mehrerlös 500 Dollar für Infrastrukturmaßnahmen bezahlen soll, dann wird es ernsthafte Probleme geben. Obwohl er dann sein Einkommen immer noch von 500 auf 2.000 Dollar vervierfacht hätte wird er nicht ohne weiteres einsehen, warum er z.B. einen Brunnen mitfinanzieren soll, von dem auch die faulen Leute im Ort profitieren. Er hat nämlich einen gewaltigen finanziellen Nachholbedarf, u.a. Rückzahlungen von Altschulden, ärztliche Behandlungskosten, bessere Schulen für die Kinder usw.

10. Viele Projekte scheitern, weil das Budget früher als geplant aufgebraucht ist oder der ursprünglich Zeitrahmen nicht ausreicht. Daher ist es besser, das Projekt im kleinerem Umfang zu beginnen und dafür ausreichende Geld- und Zeitreserven zu haben. Gerade in der Dritten Welt kommt es oft zu unvorhersehbaren Komplikationen, z.B. ungünstiges Wetter, Schädlingsplagen, politische Instabilität usw.

11. Viele NGOs sind bei der Projektplanung an Vorgaben ihrer Satzung oder Sponsoren gebunden. Wenn z.B. ein Projekt zur Einkommensverbesserung nur Mittel zu dem Zweck ist, die Begünstigten zu missionieren oder deren Kinder zu helfen, dann wird oftmals ein unkalkulierbares Minenfeld betreten. Für dieses Problem sehe ich keine wirkliche Lösung, denn Spenden gibt es nur wenn die NGO mit Bildern von Kindern mit traurigen Augen wirbt oder religiöse Interessen im Spiel sind.

12. Oftmals ist der Verwaltungsaufwand viel zu hoch. Viele Kosten ließen sich vermeiden. Z.B. muß sich die NGO nicht im Zielland akkedetieren lassen, wenn sie von aussen ein bestehendes Projekt einer anderen im Land bereits etablierten NGO oder Privatprojekte fördert. Das spart nicht nur viel Geld für den Bürokratieaufwand, sondern beschleunigt das Vorhaben und reduziert das Risiko eines Fehlschlages.

Es gibt sicherlich noch viele andere Aspekte. Ich hoffe aber, das diese Auflistung hilft, künftige Projekt-Fehlschläge zu vermeiden.

Comments

Comment from Inez
Time 20. Juni 2011 at 22:44

Hallo,

presst Ihr denn auch Moringaöl oder habt Ihr sonst noch Produkte, die man für Kosmetik/Hautpflege einsetzen kann anzubieten?

Bitte meldet Euch doch kurz bei mir, ja?

Comment from Jochen
Time 22. Juni 2011 at 08:25

Wegen der Taifune können wir leider nur selten Moringasamen ernten. Hauptprodukt sind die Blätter. Wir haben reichlich Zitronen und Papayas, aber noch keine größeren Erfahrungen in der Weiterverarbeitung. Deshalb suchen wir Vertriebspartner die uns evtl. technische Hilfe geben können um entsprechende Produkte herzustellen.

Comment from Huber
Time 4. September 2011 at 23:00

Hallo Jochen,
Bin auf Deine Seite gestossen, weil ich durch die Suche nach Niem-Setzlinge auch Deine Anfrage gesehen habe. Wie sieht es inzwischen bei Dir aus? Hast Du ein Niem-Projekt? Wie viele Setzlinge könntest Du brauchen?

Comment from Jochen
Time 8. September 2011 at 10:26

Wir hatten ca. 30 Neem Bäume aus Samen gezogen. Seit dem letzten Taifun sind nur noch weniger als 10 übrig geblieben. Neem scheint also für unsere Wetterverhältnisse nicht besonders gut geeignet zu sein.

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