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Micro-Kredite

Ziel jedes Entwicklungshilfe-Projekts muß es sein, den Menschen die Startvoraussetzungen zu geben, um mit eigener Arbeit dauerhaft deutlich höhere Einkommen erzielen zu können. Damit haben die Leute dann genug Geld für vernünftige Ernährung, Ausbildung der Kinder, medizinische Versorgung usw. Auch erhöhen sich dadurch die Steuereinnahmen der lokalen Regierungen, es steht Geld für Investitionen in Infrastruktur usw. zur Verfügung.

Wenn in einer Gegend die Leute 1 $ zum nackten Überleben benötigen bringen neue 1 $ Jobs die lokale Wirtschaft nicht weiter. Es helfen nur Jobs die deutlich mehr einbringen. Das erreicht man am besten mit der gezielten Förderung von Kleinstuunternehmern und Kleinbauern. Deshalb ist das Konzept von Yunus / Grameen Bank und anderer Microfinance Organisationen per se eine bessere Sache als das Abhalten von internationalen Hungerkonferenzen in Luxusrestaurants.

Niemand hat behauptet dass die nachhaltige Bekämpfung elementarer Armut eine einfache Angelegenheit ist, bei der es keinerlei Fehlentwicklungen gibt. Wo gehobelt wird da fallen Späne. Es kommt entscheident darauf an, wie diese Kredite vergeben und eingesetzt werden. Alles steht und fällt mit der Rückzahlungsrate. Man hört immer wieder von gescheiterten Microcredit Programmen, bis hin zur gesellschaftlichen Ächtung oder gar Selbstmorden der Kreditnehmer. Es sind fast immer die gleichen Kardinalfehler im Konzept, die zur Katastrophe führen. Hier die m.M. nach wichtigsten:

1. Das zu finanzierende Geschäftsmodell ist nicht tragfähig, weil es den Kreditnehmern an Sachkenntnis fehlt, es keinen ausreichenden Absatz für die Produkte gibt, die Preise zu niedrig und/oder die Herstellungskosten zu hoch sind. Hinzu kommen unvorhersehbare Verluste durch Naturkatastrophen, Bürgerkriege usw.

2. Die Zinsen und Tilgungsraten sind zu hoch und können daher nicht erwirtschaftet werden.

3. Der Kredit wird nicht zweckgemäß eingesetzt, also z.B. wird statt eine Nähmaschine zu kaufen das Geld aus dem Kredit zur Abtragung alter Schulden, medizinische Notfälle und anderer dringender finanzieller Verpflichtungen eingesetzt oder gar verzockt.

4. Durch die Gruppenhaftung wird oftmals ein zu hoher Druck auf die einzelnen Kreditnehmer aufgebaut. Sobald es zu ersten kleineren Schwierigkeiten im neuen Geschäft kommt, bricht Panik und irrationales Verhalten aus, um den drohenden Gesichtsverlust zu vermeiden.

Fast alle gescheiterten Microfinance-Projekte beruhen auf reinen Bankprinzipien. Also große Summe ausleihen und viele kleine Raten einnehmen und dabei einen finanziellen Überschuß zu erwirtschaften. Das liegt ganz einfach an der Refinanzierung durch Spenden oder Finanzinvestoren. Hier mal ein m.M. nach ganz übles Beispiel:

Hunderte Millionen Profit mit Mikrokrediten

Das hört sich zunächst toll an, unterschlägt aber die Tatsache dass die Profite der Investoren durch die armen Leute mit harter Arbeit erwirtschaftet werden müssen. Je höher die Profite desto höher die Zinsen. Ein weiteres Problem sind die hohen Verwaltungskosten. Auch die müssen von den kleinen Kreditnehmern erst erarbeitet werden.

Der Fehler liegt also im System selber. Da Jammern und Klagen bekanntlich nicht wewiterhelfen versuche ich jetzt einmal, eine echte Alternative aufzuzeigen. Das ist keine Theorie sondern bereits von uns erfolgreich erprobt. Oberstes Gebot ist dass die Kreditnehmer freiwillig mitmachen und keine Almosenmentalität aufkommt. Die Leute sind zwar arm, haben aber auch ihren Stolz und wollen ihr Leben selber meistern.

1. Kreditnehmer müssen fachlich für die geschäftliche Unternehmung geeignet sein. Dies wird u.a. durch intensive Schulungen erreicht. Geschlecht und Alter spielen dabei keine Rolle.

2. Das Projekt muß wirtschaftlich tragfähig sein. Dazu sind verkaufsfähige Produkte, geringere Herstellungskosten, lukrativere Vermarktungsmöglichkeiten erforderlich. Auch hier wird praktische Hilfe und Beratung seitens des Kreditgebers geleistet.

3. Soweit wie möglich wird der Kredit in Form von Sachleistungen ausgezahlt. Statt Bargeld also Nähmaschine, Material und Ausbildung. Damit vermeidet man weitestgehend die Zweckentfremdung des Kredites. Man muß sich dabei immer vor Augen halten dass die Kreditnehmer ihre möglichen finanziellen Notlagen auch ohne das Kreditprogramm hätten.

4. Die Höhe der Zinsen und Tilgungsraten sowie der Zeitpunkt der Rückzahlungen richten sich nach dem realistischen Potenzial des individuellem Geschäfts. Der Kreditnehmer zahlt also nur dann wenn entsprechende Einnahmen generiert wurden.

5. Es gibt eine kostenlose Kreditausfallversicherung für den Fall unverschuldeter geschäftlicher Notlagen, also z.B. bei Naturkatastrophen und anderen Schäden durch höhere Gewalt.

6. Gruppenhaftung gibt es nur wenn ein Kreditnehmer grob fahrlässig oder gar mutwillig sein eigenes Geschäft ruiniert, sprich sein Kapital verzockt oder versäuft.

All dies ist mit einem rein finanziellen Kreditprogramm grundsätzlich nicht möglich. So ein Konzept funktioniert nur, wenn vor Ort kompetente, vorzugsweise einheimische, Fachleute zur Verfügung stehen. Das ist zumindest am Anfang mit einem ziemlichen Aufwand verbunden, aber es bietet zusätzliche Möglichkeiten die reine Finanzdienstleister nicht haben. Deren Einnahmen bestehen naturgemäß nur aus den Rückzahlungen und frischen Kapital von Spendern oder Investoren.

Bei meinem Konzept gibt es hingegen zahlreiche andere Möglichkeiten zur Refinanzierung, u.a.:

1. Wenn der Kreditgeber Sachleistungen wie Nähmaschinen, Saatgut, Dünger usw. im großen Stil selber einkauft gibt es Mengenrabatte. Der Kreditnehmer wird hingegen mit dem ortsüblichen Preis belastet.

2. Bei der Vermarktung kann der Kreditgeber geeignete Hilfestellung leisten und damit höhere Preise erzielen. Diese zusätzlichen Einnahmen können mit den Kreditnehmern geteilt werden. Also eine echte win-win Situation.

3. Durch eine geschickte Vernetzung der verschiedenen Geschäftsfelder der einzelnen Kreditnehmer bieten sich oftmals zusätzliche Einnahmemöglichkeiten. Z.B. wenn der Kreditgeber dafür sorgt, dass der Farmer seine Erntereste nicht verbrennt oder verrotten läßt und stattdessen damit einen Weiterverarbeitungsbetrieb beliefert. Beispielsweise sind die Fasern von Maiskolben oder Kokosnüssen gutes Füllmaterial von Sitzkissen oder Grundstoff für Saaterde, aus leeren Maiskolben kann man Holzkohle herstellen usw.

Durch derartige Nebengeschäfte kann ein Teil der Verwaltungskosten gedeckt, im Idealfall sogar zinslose Kredite und Überschüsse erwirtschaftet werden. Dann wird das Gesamtprojekt ein Selbstgänger.

Dieses Konzept ist wie gesagt bereits erprobt. Klar ist aber auch, dass es nicht überall funktioniert. Es steht und fällt mit der Auswahl eines geeigneten Standortes. In von Bürgerkriegen und extrem korrupten Politikern gebeutelten Gegenden oder dort wo die Leute auf Befehl greiser “Chiefs” lieber weiter wie im Mittelalter leben wollen sind die Erfolgsaussichten eher gering. Das trifft aber auch auf die rein finanzbasierten Mikrokreditprogramme zu.

Den allerärmsten der Armen helfen zu wollen, die aber die Hilfe nur unter Zwang annehmen, ist sicherlich ein heheres Anliegen, führt aber mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Investitionsruinen. Damit werden letztendlich nur Ressurcen vergeudet, die dann an anderer Stellen fehlen.

Hier der Link zu unserem Pilotprojekt

Dort wird das Konzept detailliert in Wort und Bild beschrieben. Bitte auch die FAQ-Seite beachten.

Comments

Comment from eurocarlos
Time 1. März 2011 at 17:04

6. Gruppenhaftung gibt es nur wenn ein Kreditnehmer grob fahrlässig oder gar mutwillig sein eigenes Geschäft ruiniert, sprich sein Kapital verzockt oder versäuft.

Wie soll das gehen? Soll ein Kreditnehmer nachträglich in Gruppenhaftung genommen werden? Oder soll ein Kreditnehmer, der mit so etwas schon einmal aufgefallen ist, bei einem neuen Darlehen in Gruppenhaftung genommen werden?

Comment from Jochen
Time 1. März 2011 at 17:16

Das geschieht indirekt. Ein derartiger Zahlungsausfall bedeutet, dass bei der nächsten Pflanzperiode ein Nachbar von der Warteliste leer ausgeht bzw. einige Monate warten muß. Da wir nur Farmer aus denselben Bezirk haben und jeder jeden kennt wird er sich rechtfertigen müssen. Weitere Einzelheiten gibt es hier:

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