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Jochen’s Philippinen Story Teil 5 – 1986/88

In der Folgezeit gab es keine Messe mehr in der nicht mein Name in höchsten Tönen gepriesen wurde. Der Pfarrer stellte mich den reichen Familien im Ort vor, Höhepunkt war dann eine Einladung zum Mittagessen mit dem leibhaftigen Erzbischof. Ich fühlte mich unheimlich geschmeichelt und es entwickelte sich eine Art Helfersyndrom. Ich war der festen Überzeugung dass der Pfarrer absolut seriös und der geeignete Mann für weitere Hilfsprojekte ist.

Ich investierte viel Zeit und Geld um in Hamburg einen gemeinnützigen Verein zu gründen. Ziel war es, in Tigaon ein Krankenhaus für mittellose Patienten zu bauen. Das Projekt lief zunächst auch gut an, so wurde z.B. im Pfarrhaus eine kleine Entbindungsklinik eingerichtet und mehrere Free Clinics durchgeführt. Berauscht vom Erfolg beging ich dann einen schwerwiegenden Fehler.

Den Mitarbeitern unserer Firma bot ich an, einen Werksarzt einzustellen der auch deren Kinder kostenlos behandelt. Als Gegenleistung sollten die Arbeiter pro Woche eine unbezahlte Überstunde leisten. In 2 Wochen sollte darüber in gehheimer Abstimmung entschieden werden. Es begann ein erbitterter Wahlkampf der die Mitarbeiter, aber auch völlig unbeteiligte Nachbarn, in zwei unversöhnliche Lager spaltete und sogar zu Handgreiflichkeiten führte. Die Abstimmung ergab dann 85% Nein-Stimmen und ich war völlig enttäuscht und frustriert.

Einige Tage später kam mir dann zu Ohren, dass der Pfarrer mein Engagement mißbraucht hat. Ich hatte ihm die Reparatur eines alten VW-Käfers finanziert, der sollte für kostenlose Krankentransporte eingesetzt werden. Dies ist auch geschehen, allerdings nur für reiche Leute. Den Armen wurde jeden Anfrage mit fadenscheinigen Argumenten (Auto kaputt, kein Sprit…) abgeschmettert. Ähnliches passierte auch bei der Ausgabe kostenloser Medikamente. Die Leute dachten natürlich, dass der böse Jochen aus Germany dies veranlasst hat.

Daraufhin besuchte ich zusammen mit meinem Schwager Elmer unangemeldet meinen vermeintlich neuen Freund, den Erzbischof. Diese Besprechung werde ich nie vergessen. Wissen Sie überhaupt mit wem Sie hier sprechen, herrschte er mich an. Die katholische Kirche steht bedingungslos zu ihrer Priestern und hat die besten Anwälte. Seine Augen glichen dabei die eines toten Fischs. Daraufhin beendete ich die Diskussion und wir verließen das heilige Büro. Beim Weg zum Ausgang öffneten wir einige Türen. Auf diese Weise entdeckten wir einen Lagerraum mit gespendeten Hilfsgütern vom letzten Taifun. Auf den Kartons befanden sich Lieferscheine. Empfänger waren große Supermärkte in Naga und Legaspi! Wir ärgerten uns schwarz darüber das wir keine Kamera dabei hatten.

Wiki-Artikel über den obersten Seelsorger der Bicolanos

Einige Tage später eskalierte die Lage in Tigaon. Die kommunistische Gewerkschaft KMU hatte Wind von der Sache bekommen und “Berater” nacht Tigaon geschickt. Wir standen plötzlich Forderungen nach Lohnnachzahlungen und Abfindungen in Höhe mehrerer Millionen Dollar gegenüber. Die meisten der Arbeiter waren felsenfest davon überzeugt, in wenigen Tagen Millionäre zu sein und stellten die Arbeit ein. Schließlich haben die KMU Leute das ja gesagt und muß daher stimmen.

Als dann nach einigen Wochen immer noch keine Millionen flossen und gleichzeitig keine Löhne für Abwesenheit gezahlt wurden, blockierten die Streiker das Firmengelände und warfen Steine und Brandbomben auf das Gelände. Die Polizei stand nicht nur tatenlos daneben sondern solidarisierte sich mit den Streikenden. Vermutlich wurden den Gesetzeshütern Prozente am zu erwartenden Millionenregen versprochen.

Zu diesem Zeitpunkt war ich mit meiner Frau und Elmer in Naga, unsere beiden Töchter (deutsche Staatsangehörigkeit) befanden sich sozusagen als Geiseln auf dem abgeriegelten Grundstück. Daraufhin informierte ich auf Anraten unseres Anwalts die deutsche Botschaft in Manila. Am nächsten Tag erschienen dann einige Army-Offiziere vor unserem Grundstück und erklärten den Streikern, dass es sich nicht nur um einen illegalen Ausstand handelt (Streiks in Exportbetrieben mußten damals vom Wirtschaftsministerium genehmigt werden), sondern auch schwere Straftaten wie versuchte Brandstiftung, Geiselnahme, Erpressung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch. All dies könnte sich im Falle eines Strafverfahrens zu lebenslanger Haft summieren. Da die KMU Leute dieses Argument nicht entkräften konnten wurde die Blockade dann aufgelöst.

Als wir dann einige Wochen später wieder in Deutschland waren ereilte uns die Nachricht, dass es eine neue Blokade gibt. Daraufhin stellten wir erstmals Strafanzeige, insgesamt gegen 183 Personen. Kurz darauf erschien der Polizeichef und bot, mit unserem Einverständnis, an, dass die Strafanzeigen zurückgezogen werden wenn die Streiker die Blokade beenden und auf ihre ohnehin nur fiktiven Geldansprüche verzichten. Das wurde Aufgrund der Einmischung der KMU kategorisch abgeleht. Einige Stunden später waren diese 183 Leute dann in U-Haft.

Mangels Gefängnis-Kapazität wurden sie im Sitzungssaal des Rathauses untergebracht, und zwar aufgrund unserer Empfehlung mit offenen Türen und ohne Bewachung. Trotzdem ist niemand geflüchtet, weil die KMU gesagt hat dass sie dann ihre “Ansprüche” verlieren würden. Es war eine völlig unhaltbare Situation, nicht nur wegen der Hygiene. Denn die Gemeinderegierung mußte gemäß Gesetz für die Verpflegungskosten aufkommen. Nach einigen Wochen leerte sich dann der “Knast”, nur 8 Hardliner blieben zurück. Diese wurden dann einige Tage später in das Provinzgefängnis zu den richtig schweren Jungs überstellt. Einige Monate später wurden sie dann ohne Gerichtsverhandlung entlassen, nachdem sie die entsprechenden Verzichtserklärungen unterschrieben hatten.

Damit war der Streik endgültig beendet. ca. 150 der 220 Mitarbeiter verloren ihren gutbezahlten Job, wir waren fast 6 Monate ohne Produktion und verloren dadurch dauerhaft viele große Kunden. Gleichzeitig kamen die ersten unserer in China abgekupferten Buddelschiffe zu Dumpingpreisen auf dem Markt. Es folgte ein geschäftlicher Abstieg, der ca. 12 Jahre andauerte.

Fortsetzung folgt…

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